Mosaik-Steinchen zum Hohelied

Auf dieser Seite finden sich wie ein Mosaik zum Hohelied verschiedene Erläuterungen und vertiefende Einblicke und Gedanken, die hier aufgelistet sind und zum schnelleren Erreichen angeklickt werden können:

Erläuterungen und Wortbedeutungen

Zur Einteilung der Lieder im Hohelied

Das Hohelied in der Bibel besitzt im hebräischen Grundtext keine vorgegebene Einteilung, die die verschiedenen Liedabschnitte oder die Personen sicher identifizieren würde. Welche Person einen Abschnitt sagt, sowie Anfang und Ende der einzelnen Lieder herauszufinden, ist oftmals dem Übersetzer nach seiner eigenen Auffassung überlassen. Deshalb gibt es in verschiedenen Bibel-Versionen auch immer wieder unterschiedliche Einteilungen oder Personenzuordnungen. Die individuelle Einteilung des Hoheliedes in 3 x 7 Lieder in dem Buch “Wie ein Lied der Liebe für Dich“, aus dem die 10 Lied-Gedichte in diesem Menü-Punkt stammen, ergab sich nach sorgfältigem Studium des Bibeltextes und unter Berücksichtigung der orientalischen Kultur in der damaligen Zeit.

Wortbedeutungen und Begriffe

In den folgenden Listen stehen Erläuterungen und Wissenswertes zu den Liedertexten und Aufführungen. Einleitend finden sich “Vertiefende Bedeutungen biblischer Begriffe“.

Die anschließenden Listen zu den Hohelied-Gedichten erläutern auf der Basis der kulturellen und sinngemäßen Hintergründe:

  • biblische und kulturelle Begriffe aus der damaligen Welt, zum Teil übertragen für unseren Sprachgebrauch,
  • Eigennamen, die in den vorliegenden Auszug von 10 Hohelied-Texten durch die Bedeutungen der Eigennamen ersetzt wurden,
  • Wörter oder Sätze, die in diese 10 Hohelied-Texte eingeflochten wurden, um Wortbedeutungen, Sinn, Kultur oder Bräuche zu verdeutlichen und das Hohelied für unsere Kultur und unsere heutige Zeit verständlich zu gestalten.

Die Begriffe zu den Liederinhalten erscheinen in der Reihenfolge der Lieder, überschrieben mit dem Lied- Titel.

Abkürzungen in der Liste

Bed.

Bedeutung des hebräischen Wortes oder Namens

erläut.

erläuternd

evtl.

eventuell

hebr.

hebräisch

wörtl.

wörtlich

Zusam.

Zusammenhang


Vertiefende Bedeutungen biblischer Begriffe

Bestimmte biblische Begriffe eröffnen sich uns erst richtig durch ihre Bedeutungen in den hebräischen und griechischen Bibelsprachen und deren Kulturkreis ... und vor allem in ihrer Beziehung zu Gott. Die wichtigsten seien hier kurz erläutert, da sie in der Bibel sehr oft vorkommen. In den Bibelzitaten in den Ausführungen zu “Liebe leben – das Hohelied für uns heute“ wurden diese Begriffe bereits aufgeschlüsselt wiedergegeben, damit sie auch uns heute ihren tieferen Sinn offenbaren.

heilig

Heilig bedeutet, dass etwas oder jemand zu Gott gehört und dadurch gereinigt wird und ein sinnerfülltes Leben in Gottes Gegenwart besitzt.

Gerechtigkeit, gerecht sein, der Gerechte

Diese Gerechtigkeits-Begriffe sind immer verbunden mit einer richtigen und rechten Beziehung zu anderen. Ein Gerechter ist jemand, der sich darum bemüht, dass seine Beziehung zu Gott und zu den Mitmenschen in Ordnung ist. Gottes eigene Gerechtigkeit bedeutet, dass Er alles tut, um die Beziehung zum Menschen zu halten oder sie wiederherzustellen. Würde Er es nicht tun, wäre Er ungerecht. So hängt Gerechtigkeit immer eng mit Treue und Verbundenheit zusammen.

Glaube

Der Glaube ist in der Bibel nicht nur ein Vermuten oder eine angenommene Überzeugung, sondern ein sicheres Wissen, dass Gott existiert, und dass man Ihm vertraut, Ihm und seinem Wort glaubt und dass dies im Leben und im Handeln zum Ausdruck kommt.

Sünde

Die Sünde ist nicht nur ein moralisch oder gesetzlich unrechtes Handeln, sondern im Gegensatz zum Glauben eine innere Abkehr von Gott und von seinem Gesetz der Liebe. Sünde zerstört den Menschen und führt zum Tod. Sünde geschieht im Wesen des Menschen und verändert ihn mit jedem Fehlverhalten.

Gesetz

Mit Gesetz ist Gottes Gesetz gemeint, es beinhaltet Gottes Grundsatz der Liebe u. Gottes Wesen der Liebe.

Rechtfertigung und Heiligung

Diese Begriffe bedeuten nichts anderes, als dass ein Mensch innerlich und in seinem Leben wieder in Ordnung und zurechtgebracht wird und in der Beziehung zu Gott wächst.

Gnade

Im Gegensatz zum heutigen Verständnis ist Gnade im ursprünglichen Sinn ein freiwilliges und überreiches Geschenk, das den Beschenkten berühren soll und ihn verändert. Somit stellt sie Gottes überreiche Güte und Fürsorge dar. Gnade und Gerechtigkeit sind in diesem Sinn auch keine gegensätzlichen Begriffe. Sie sind miteinander verbunden, denn es ist Gottes Güte (Gnade), die den Menschen dazu bringt, sich zu Gott hinzuwenden und zu Ihm gehören zu wollen. Dadurch kann Gott den Menschen in Ordnung bringen und reinigen – in gebräuchlicher Bibelübersetzung ausgedrückt: Er kann ihn gerecht machen und heiligen.

Evangelium

Das griechische Wort Evangelium heißt übersetzt Gute Botschaft oder Frohe Botschaft und entspricht dem Wort Freudenbotschaft im Alten Testament. Und die Frohe Botschaft ist die, dass Gott anders ist, als die negativen Bilder, die so oft über Ihn verbreitet wurden. Jesus offenbarte Gottes Wesen der Liebe vollkommen, da Er selbst Gott ist und auch immer betonte, dass Er mit Gott Vater eins sei und dessen Willen und Auftrag ausführe. Jesu Auftrag war es, die Wahrheit über Gott zu offenbaren und die Lüge Satans zu entlarven. Die Lügen über Gott sind die Dunkelheit, die das Leben und Gemüt des Menschen verdunkeln. Das Evangelium deckt die Lügen auf und befreit von der Angst, die man vor Gott hatte.

Wahrheit

Die Wahrheit bezieht sich in der Bibel auf die Wahrheit über Gott. Diese Wahrheit ist das Licht, das die Dunkelheit vertreibt und den Menschen erleuchtet. Deshalb sind die Begriffe ’Frohe Botschaft’, ’Wahrheit’ und ’Licht’ austauschbar. Sie alle zeugen von der Frohen Botschaft über Gottes wahres Wesen der Liebe.


Begriffe in den Lieder-Texten

Liebeslied des Königs (Hl 1,1)

Friedekönig

Wörtl. ‘Salomo’, Bed. ‘friedfertig, friedvoll’. Er war der dritte König Israels und König Davids Sohn.

schenk dir, unser Lied

Erläut. Einflechtung, um zu verdeutlichen, dass Salomo der Dichter ist. Er selbst nennt es sein schönstes Lied: hebr. ‘Schir Haschschirim’, Bed. ‘Lied der Lieder’ = das höchste, schönste Lied, das ‘Hohelied’. Die Überschrift zeigt, es ist ein einheitliches Lied - das schönste der 1005 Lieder Salomos (s. 1 Kö 5,12).

Erinnerungslied des Mädchens, wie alles begann (Hl 1,5-6)

Zeltdecken der Nomaden

Wörtl. ‘Zelte Kedars’: Kedar ist ein Nomadenstamm in der syrisch-arabischen Wüste, Nachkommen Ismaels (s. z.B. 1Mo 25,13). Ihre Zeltdecken waren aus schwarzem Ziegenhaar.

Deckenbehänge des Friedekönigs, Heiligtum

Wörtl. ‘Deckenbehänge Salomos’. Diese kostbaren, bestickten und golddurchwirkten Behänge wurden auch zur Ausschmückung des Heiligtums verwendet (s. 2Mo 26,31-33; 2Chro 3,8.14).

Volk des Herrn

Wörtl. ‘Jerusalem’: Diese Stadt im Gebirge Juda wurde zum Symbol für das gläubige Volk Gottes.

Trauben-Rebhänge, Traubengarten

Im Hebr. ist ‘Wein’ in keinem der Wörter für Rebanpflanzungen enthalten. Deshalb steht auch hier ‘Rebhänge’ für tatsächliche Pflanzungen, und ‘Traubengarten’ als Symbol für die Frau. Auch im Hebr. wird beides durch einen Wortzusatz unterschieden und machte den ’Traubengarten’ (als Symbol für die Frau) zu einem höheren und wertvollen Gut (s. Hos 2,17; Jes 5,7).. Auch im “Königslied“

HirtenliedihrererstenLiebe (Hl1,7-8)

ehrloses Mädchen

Wörtl. ‘Verschleierte’: Evtl. ist mit diesem Wort eine Prostituierte gemeint, die verschleiert waren (1 Mo 38,14-15). Im Zusam. ist im Text wohl ein streunendes Mädchen ohne Anstand gemeint.

Wanderhirten

Wörtl. ‘Hirten’. Sie zogen mit ihren Herden von einem Weidegrund zum anderen.

SommerliedunterBäumenundBlumen (Hl1,15–2,3)

Augen, Liebe, Taubengefieder

Wörtl. ‘Augen wie Tauben’ = Tauben mit weißem und dunklem Gefieder. Tauben sind auch ein Symbol der Liebe. So können damit auch liebevolle Augen gemeint sein (nach Pulpit Commentary)..

Steppenanemone, Feldblumen

Es gibt verschied. Auffassungen über die Blumenart. Da das Mädchen als bescheiden auftritt und ihr Freund sie mit seltenen Lilien vergleicht, verglich sich das Mädchen wohl mit häufigen Feldblumen.

Balsamapfelbaum

Wörtl. ‘Apfelbaum’, der in Israel eher selten war. Er zählte zu den edlen Obstsorten. Laut Israel-Reisenden vergangener Jahrhunderte trug er ausgezeichnete, duftende Äpfel. Mit dem Wort ‘Balsam’ wird im vorliegenden Text das Besondere dieser duftenden Orientäpfel ausgedrückt

Frühlingslied für seine Taube (Hl 2,8-14)

Junge Antilope

Wörtl. ‘Hirsch’. Hirsche drücken Stärke, Schnelligkeit und Wendigkeit aus. Hier wurde die Antilope gewählt, die in unserem Sprachgebrauch weit mehr als ein Kompliment genommen werden kann, als ein ’Hirsch’. So kam damals auch noch die Schraubenantilope im südlichen Israel vor.

überwältigt

Wörtl. ‘blüht herein’: Seine Gegenwart ist überwältigend und stark.

Gitterwerk

Die Fenster hatten in Israel oft Holzgitter zum Schutz.

Winter ist vorbei

Frühling war die Zeit, da die Menschen zum Passahfest nach Jerusalem wanderten (das wir heute als Osterfest feiern). Der Spätregen hörte zu Beginn des Frühjahrs auf.

Turteltauben

Die Turteltaube ist ein Zugvogel, dessen Rückkehr den Frühling ankündigt, wie in Jer 8,7 erwähnt.

Feigen

Der Feigenbaum trägt dreimal Früchte. Aus den Vorjahrsblüten wachsen über d. Winter kleine Vor-feigen, d. i. Frühling reifen. An dieser Stelle wachsen bis zum Frühsommer saftige Frühfeigen, u. bis zum Spätsommer an den neuen Frühjahrszweigen fleischige Spätfeigen, die sich trocknen lassen.

Berglilienlied der Treue (Hl 2,16-17)

im Herzen seiner Lilie weilt

Wörtl. ‘in den Lilien weidet’. Da er sie als Lilie bezeichnete und ‘weiden’ ein Ausdruck davon ist, ‘versorgt zu sein, gut aufgehoben zu sein’ (z.B. in Ps 23,2; Hes 34,14-15), so kann dieser Ausdruck auch eine gute Beschreibung dafür sein, dass er gut aufgehoben im Herzen seiner Lilie weilt.

Freudenlied zur Brautheimholung (Hl 3,6 – 4,8)

Weidegründe

Hebr.: ‘Wildnis, Wüste, Weidegründe, offenes freies Land’. Je nach Zusam. Verschieden übersetzt.

Sänfte, Brautsänfte

Orientalischer Brauch: Die Braut wurde vom Haus ihrer Eltern zur Hochzeit abgeholt, wie in Mt 25,1-10 erwähnt. Im diesem Fall mit einer Brautsänfte, das ein anderes hebr. Wort als Sänfte ist.

Wache, Helden aus Heeren Gottes

Wörtl. ‘60 Helden Israels’. Israel bedeutet: ‘Als König herrscht Gott’. Sie waren vermutlich die Elite, die Leibgarde Salomos.

gesegneten Reiches

Wörtl. ‘Zion’: Festung in Jerusalem bzw. der Tempelberg. Zion ist zudem eine Bezeichnung für Jerusalem u. daher auch ein Symbol für Gottes Volk od. für Gottes Herrschaftsbereich u. Reich.

Friedekönig reitet

Wörtl. nur ‘König’. Nach einer althebräischen Hochzeitssitte ritt der König als Bräutigam neben der Sänfte od. wurde in einer zweiten Sänfte getragen.

Hochzeitskrone

Stimmte eine Mutter der Heirat zu, setzte sie ihrem Sohn ein Festdiadem od. die Hochzeitskrone auf.

Wie schön bist du

Der zweite Teil des Liedes ist ein Beschreibungslied, im Arabischen ‘Wasf’ genannt. Diese Art Lieder wurden selbst noch in unserer Zeit auf Hochzeitsfesten im Vorderen Orient gesungen.

Gazellenherde

Wörtl. ‚’Ziegen’. Da diese heute kaum als ein Kompliment gelten, wurden sie mit Gazellen ersetzt.

Berghänge

Wörtl. ‘Gilead’: Herdenreiche Berglandschaft im Ostjordanland, die Hänge fallen ins Jordan-Tal ab.

Granatapfelhälften

Wörtl. ’Granatapfelscheibe’. Der Granatapfel hat eine lederartige rot-orange bis weinrote Schale, die hier möglicherweise als abgeschnittene Scheibe oder Hälfte das Erröten beschreibt. Die innen weiße Schale ist mit weinrot-glasigen, saftigen, süßen ‘Beeren’ dicht bepackt ausgefüllt.

Myrrhehügeln meiner Palastgärten

Wörtl. nur ‘Myrrhehügel’: Sie weisen evtl. auf die herrlichen, duftenden Gärten Salomos hin, die am Palastberg angelegt waren.

Weihrauchberg, Heiligtum

Wörtl. nur ‘Weihrauchberg’. Weihrauch wurde im Gottesdienst verwendet, sodass dieser Berg möglicherweise auf den Gottesberg mit dem heiligen Tempel hinweist.

Zederngebirge

Wörtl. ‘Libanon’. 170 km lange westl. Kette des Gebirges im Norden Israels, war damals zedernreich.

Höhen, Quellfluss des Bundes

Wörtl. ‘Amana’, Bed. ‘Bund’: Das sind die nördlichen Höhen des Antilibanon-Gebirges, Quellgebiet des gleichnamigen Flusses Amana, der auch Abana genannt wurde (2Kö 5,12).

Gipfelspitzen

Wörtl. ‘Senir’, Bed. ‘spitz’: amoritischer Name des Hermon und Antilibanon; und wörtl. ‘Hermon’,

abgesondert

Bed. ‘geweiht, abgesondert, gebannt’. Das ist d. südlichste u. höchste Gebirgsmassiv d. Antilibanon.

Löwen, Panther

Existierten damals im Gebirge (der scheue Leopard od. Panther vereinzelt auch heute noch). Aus dem Gefahrenbereich will er sie wegbringen. Übertragen vielleicht auch ’fort von fremden Männern’.

Dämmerungslied im Zueinanderfinden (Hl 5,2 – 6,11)

feucht von Tau,

Wörtl. ‘Tropfen der Nacht’. Der Taufall in Israel konnte so stark sein, dass das Haar nass wurde.

Weg von Aufgaben zu dir

Erläut. Einflechtung: Salomo kam erst nachts oder gegen Morgen zum Schlafgemach, sicherlich von seinen königlichen Aufgaben, die ihn so lange beansprucht hatten.

Runde Öffnung über dem Türriegel

Wörtl. nur ‘Öffnung’. Ein Loch in der Tür, um die Hand durchzuschieben und den inneren Türriegel zu öffnen. Daher handelt es sich hier um eine Innentür, eine Kammertür, nicht eine Haustür! Da Salomo den Riegel hätte öffnen können, es aber nicht tut, war es wohl mehr eine bittende Geste.

feucht von Myrrheöl

Wörtl. ‘fließende Myrrhe’, Es bezeichnet das von selbst ausgeflossene Myrrheharz aus natürlichen Rindenrissen des dornigen Myrrhestrauches, das ölartig austritt, und viel wertvoller war als Harz, das aus einer kommerziell angeritzten Rinde austrat. Mit Öl vermischt blieb es von seiner Hand am Riegel zurück, nicht von ihrer! Er hat den ‘Duft’ seiner Persönlichkeit zurückgelassen (Dr. Zöckler). Duft und edles Wesen hängen eng zusammen. Es war wohl auch ein Brauch im alten Orient, dass ein Mann, dessen Werben ausgeschlagen wurde, den Türgriff mit Salböl bestrich, um zu bezeugen, dass seine Liebe dennoch beständig bleibt (Schlachter Version 2000).

Wächter der Festung, Eindringling, treffe Mägde

Erläut. Einflechtungen. Bei ihrer Suche in der Festung (ohne Schutz kaum in der Stadt) mag sie fürchten, die Wächter erkennen sie nicht u. schlagen sie. Dass dies wirklich geschieht, ist kaum möglich, ein Wächter müsste mit dem Todesurteil rechnen, würde er die Lieblingsfrau des Königs schlagen. Bei ihrer Suche trifft sie dann offensichtlich auf Frauen, wohl Mägde bei der nächtlichen oder frühen Arbeit, Hofdamen schlafen um diese Zeit bzw. wüssten, wer sie und ihr Liebster sind.

Augen, Tauben in Milch, eingefasste Juwelen

Wörtl. Tauben ‘in Milch gebadet, festsitzend in der (Juwelen-)Fassung’. In manchen Bibeln wird ’Milch’ und die ’Fassung’ auf Zähne bezogen. Da jedoch die Zähne als Wort nicht vorkommen, ist der ganze Satz eher eine Einheit für die Augen, wobei Tauben ein Symbol der reinen Liebe sind.

bärtige Wangen duften

Wörtl. nur ‘Wangen’. Es gab damals im Orient den Brauch, den Bart zu parfümieren.

Lippen, Sprache, Duftmyrrhe

Wörtl. ‘tröpfelnd von fließender Myrrhe’. Lippen stehen für die Sprache, die hier mit duftender, edelster, fließender Myrrhe verglichen wird (s. oben ‘feucht von Myrrheöl‘).

goldene Hände, Adern wie Türkise

Wörtl. ‘mit hineingefüllten Türkisen’, d. h. die Edelsteine sind in das Gold hineingebettet, wie blaue Adern in die Haut. So könnten Türkise gut die bläulich durchschimmernden Adern beschreiben.

Leib umhüllt, saphirblaues Königsgewand

Wörtl. Leib ‘bedeckt, umhüllt mit Saphir’. Der Leib ist mit Saphir verhüllt und eingewickelt. Da Saphirblau eine königliche Farbe ist, kann es eine Beschreibung für ein königliches Gewand sein.

ahne ich, finde ihn

Erläut. Einflechtungen. Ihr fällt anscheinend ein, dass er in den Gärten ist, wo sie ihn noch nicht gesucht hat. Das wird sie aber kaum den Frauen erzählt haben, sondern selbst dorthin geeilt sein.

Königsstadt, Freundlichkeit

Wörtl. ‘Tirzah’, Bed. ‘Freude, Freundlichkeit’: Eine Königsstadt im Nordteil Israels.

Stadt in Frieden

Wörtl. ‘Jerusalem’, Bed. ‘Frieden, Sicherheit’: Sie zählte als Stadt Gottes, da dort der Tempel stand.

wie du für mich blühst

Erläut. Einflechtung. Bereits in einem anderen Lied beschrieb er sie als blühenden Garten mit Granatapfelbäumen. So steht evtl. auch bei diesen Granatapfelbäumen dieses Symbol dahinter.

Hohelied des Königs über die Liebe (Hl 8,6b-7a)

Liebe ist so stark, dass der Tod sie nicht bezwingt

Wörtl. ‘Stark wie der Tod ist die Liebe, hart wie der Scheol die Leidenschaft.’ (Scheol = Reich des Todes, das Grab) Dieses Lied drückt eine Liebe aus, die unbesiegbar und unbezwingbar ist, machtvoll und stark, sie lässt sich nicht zurückdrängen und widersteht allem. Dieses Lied schildert die echte Liebe in ihrer Macht und Beständigkeit so ausdrucksstark, wie es in der Weltliteratur unerreicht ist.

Unbesiegbar ist die Liebe von Gott

Erläut. Einflechtung, die noch einmal den Anfangssatz als abrundende Schlussfolgerung aufgreift.

Königslied über seine Königin (Hl 8,7b-14)

Liebe erwerben, sie nie gekannt

Erläut. Einflechtungen. Salomo beschreibt sich hier evtl. selbst. Ihm könnte durch das Lied über die wahre Liebe bewusst geworden sein, dass er diese Liebe mit all seinem Reichtum nicht hätte kaufen können. Hätte er das aber im Sinn gehabt, dann hätte er die wahre Liebe nicht verstanden.

meine Brüder

Erläut. eingeflochtener Einleitungssatz, da sie offensichtlich aus früherer Zeit erzählt, wie auch ihre Brüder um ihre ‘Käuflichkeit’ besorgt waren. Doch sie war standhaft.

Ehemann, reicher Herr

Wörtl. ein unbekanntes ‘Baal-Hamon’. Hier wurde die übersetzte Bed. ‘Herr, Ehemann - Reichtum’ verwendet: Als Ehemann wurde er ein reicher Herr, da er allen Reichtum ihres Gartens erhielt.

kostbar, sorge mich um Garten

Erläut. Einflechtung. Salomo will diesen kostbaren Traubengarten, der sie ist, gut behütet wissen, noch weit mehr als ihre Brüder.

dir Friedekönig, Kostbarkeit

Wörtl. ‘1000 dir Salomo, 200 den Hütern’. Die Kostbarkeit ihres Gartens ist für ihren Ehemann, und die Wachen erhalten ihren verdienten Lohn.

Balsamberge unserer Liebe

’Unsere Liebe’ ist erläut. eingeflochten. Diese Berge trennen nicht mehr wie in Lied “Berglilienlied der Treue“ sondern sie stellen den Duft und die Größe ihrer Liebe dar. So wird diese Liebe zur abschließenden Aussage des Hoheliedes.


Wichtige Gedanken zur gelebten Liebe

Die vorliegenden Texte zum Hohelied verstehen sich nicht als eine theologische Abhandlung, sondern versuchen anhand der Bibel zu zeigen, wie uns die Grundsätze der Liebe Gottes in der Ehe und in Beziehungen helfen können.

Wenn Menschen etwas von uns erwarten oder etwas tun, das gegen das Wort Gottes oder unser Gewissen spricht, will Gott jedoch auf keinen Fall, dass wir uns aus Liebe fügen oder unterordnen. Es ist wichtig, ‘Gott mehr zu gehorchen, als den Menschen’ (i. Apg 5,29). Gott möchte jedoch allen einen Neuanfang schenken und zur Umkehr führen, und dazu braucht es viel Gebet und Fürbitte. Gott weiß allein, was das Beste für alle ist, Er gibt uns Weisheit und Kraft und kann uns zur richtigen Entscheidung führen. Er, ‘der allen gerne hilft’ (i. Jak 1,5) und möchte, ‘dass keiner verloren geht, sondern gerettet wird’ (i. Joh 3,16), lässt niemanden im Stich. Er steht uns zur Seite und will mit seinem Heiligen Geist an den Menschen wirken. Denn Gott ist mit uns!

So stellen diese Seiten eine Sammlung von Gedanken und Anregungen dar, die auf der Grundlage der Bibel viele Verheißungen und Rat aus Gottes Hand weitergeben möchten. Die Bibel ist ein Schatz, der alles übertrifft. Sie regt zum Forschen an, sodass man für sich und für die eigene Situation immer mehr und immer wieder das Passende entdeckt. So verspricht Gott: ’„Meine Worte werden nicht vergehen.“’ (i. Lk 21,33). Denn sein ‘Wort ist die Wahrheit’ (s. Joh 17,17) und daher eine unerschöpfliche Quelle der Inspiration für den Alltag und für die Liebe. Es ist der Reichtum seiner Liebe, sein Liebeslied für uns.

Jaimée M.